Achtsames Wegwerfen

Wir werfen täglich viele Dinge achtlos weg. Das ist schon bequem – ab in den Müll, aus den Augen, aus dem Sinn. Mein Großvater, der im Weltkrieg den Mangel kennen gelernt hatte, schüttelte darüber voller Unverständnis den Kopf und sprach abwertend über die Wegwerfgesellschaft.

Für die Wirtschaft sind diese Wegwerfprodukte eine super Sache. Einmal gebraucht, weg geworfen, neu gekauft. So brummt der Laden. Wir haben uns so daran gewöhnt, dass wir nicht einmal auf die Idee kämen, diese Dinge mehrfach zu gebrauchen selbst wenn das durchaus möglich wäre. Wir sind auf Wegwerfen getrimmt.

Und so landet im Müll, was mit großem Aufwand hergestellt wurde. Vieles davon glauben wir sei nicht vermeidbar. Beispielsweise Produktverpackungen, die mit Pappe und Plastik das neue gekaufte Produkt umhüllen und zelebrieren. Oder die Styropor-Box zum Warmhalten von Fast-Food-Essen. Getränkebecher vom Coffee-to-Go. Für unsere Partygäste die Papierservietten, Pappteller und Plastikbecher. Einweg-Flaschen aus Plastik oder Glas. Die Getränkedosen für das Feierabendbier oder die Coca-Cola. Einmalrasierer. Papierhandtücher…

Das alles schmeißen wir nach dem Gebrauch weg.

Wo ist der Ort, der „weg“ heisst?

Nur: Es gibt keinen Ort auf der Welt, der „weg“ heißt. Es bleibt alles auf unserer Erde.

Damit der unansehnliche Müllhaufen nicht stört, wird er thermisch aufbereitet (verbrannt) oder stofflich wiederverwertet. Letzteres meistens als Down-Cycling, selten gibt es echtes Recycling. Alle Verwertungen sind mit Aufwand, Umweltgiften und oft hohem Energieverbrauch verbunden. Auch wenn uns der „Grüne Punkt“ ein reines Umweltgewissen machen möchte: Nur Vermeidung ist nachhaltig.

Viele dieser Wegwerfdinge kosten fast nichts obwohl sie mit hohem Aufwand hergestellt wurden. Ihre Produktion bedeutet eine unvorstellbare Umweltbelastung. Getränkedosen sind aus Weissblech und Alu. Die Förderung von Aluminium, Eisenerz und Zinn hinterlässt tiefe Krater und Massen an giftiger Erde. Von der sozialen Ausbeutung der Arbeiter ganz zu schweigen.

Für das Einweg-Partybesteck und den Plastikdeckel eines Coffee-to-Go wird Erdöl gefördert, raffiniert, daraus Plastik-Granulat produziert und in die gewünschte Form geschmolzen. Wahnsinnig viel Energie und Umweltgifte.

Wir nutzen die Getränkedose, das Partybesteck und den Plastikdeckel nur wenige Minuten. Dann landet alles in den Müll.

Wie achtsames Wegwerfen funktioniert

Was können wir tun? So seltsam es klingen mag: Achtsames Wegwerfen praktizieren! Wir werden uns dadurch bewusst, was wir wirklich „weg“ werfen. Dadurch wächst ganz von alleine der Wunsch, Müll zu vermeiden und achtsamer mit der Erde umzugehen.

Und das geht so: Jedes mal bevor wir etwas in den Müll werfen, werden überlegen wir kurz, was wirklich dahinter steht. Erst dann kommt es in den Müll. Wer möchte kann sich auch eine Liste anlegen, was heute in den Müll kam.

Bevor ich beispielsweise einen Pappbecher weg werfe versuche ich mir den Baum vorzustellen, aus dem er hergestellt wurde. Denn wir sehen ohne diese Überlegung  nur die nach dem Gebrauch für uns wertlose Form (Pappbecher, Dose, Plastikdeckel, „Müll“).

Ich werfe also keinen Becher weg – das ist nur die Form. Sondern tatsächlich den Teil eines Baumes. Dabei bin ich mir bewusst, dass es vom Baum bis zum Becher ein weiter Weg war: Vom Samen zum stattlichen Baum, seine Abholzung, die Papiergewinnung, Wachsbeschichtung, der farbige Aufdruck, Verklebung zum Becher, Verpackung und Transport in den Laden. Riesen Aufwand. Der einzelne Becher kostet fast nichts. Wenn ich den Becher jetzt weg werfe, dann mit einer ganz anderen Haltung.

Dadurch erwächst der Wunsch, weniger Pappbecher weg zu werfen. Am liebsten gar keine mehr. Man könnte ihn beispielsweise von Hand spülen und mehrfach verwenden – wieso nicht? Oder doch lieber ein Glas oder Keramikbecher nehmen.

Was tun?

  • Wegwerfprodukte vermeiden.
  • Einwegprodukte so gut es geht mehrfach verwenden. Plastikbesteck und Plastiktüten können durchaus auch gespült werden.
  • Achtsames Wegwerfen praktizieren.

Lest auch meine anderen  Beiträge zum Thema Müllvermeidung:

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7 Gedanken zu „Achtsames Wegwerfen

  1. antetanni

    Ein guter Beitrag. Ich versuche die Müllvermeidung aber schon beim Einkaufen umzusetzen und komme so sehr oft gar nicht erst in die Versuchung, Dinge zu kaufen, die nach kurzer Zeit schon wieder weggeworfen werden. Aber du hast schon recht, es schärft sicherlich die Sinne, wenn man sich auch beim Wegwerfen noch mal Gedanken macht, WAS man da eigentlich bislang gedankenlos in den Müll gestopft hat. Das hilft bestimmt beim bewussteren Umgang bei einem nächsten Kauf von egal was. Gut so.
    Viele Grüße von Anni | antetanni

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    1. Martin Autor

      Hallo antetanni – ich finde es klasse, dass Du schon so konsequent bist! Allerdering lässt sich beispielsweise gerade für die Kücheneinkäufe Müll nicht komplett vermeiden. Außer bei loser Ware wie Obst und Gemüse kommt bringt alles Verpackungsmüll mit: Soja-Joghurt im Plastikbecher mit ALudeckel. Salz und Gewürze in der Tüte aus Papier oder Kunststoff. Öko-Geschirrspülmittel in der Kunststoff-Flasche. Selbst wenn ich meine den Müll nicht vermeiden zu können bewirkt das achtsame Wegwerfen, dass ich insgesamt sehr bewusst mit „Müll“ umgehe.

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      1. antetanni

        Das stimmt, immer geht es nicht. Aber wenn man wenigstens versucht, darauf zu achten, und damit wenigstens ein Stückchen Müll reduziert, ist das schon ein guter Schritt.

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  2. Ingrid

    Harald Welzer (Selber denken) schrieb: „Die Menschen sehen immer nur das Ding, aber nicht die Rohstoffe und die sogenannte Wertschöpfungskette.“ Und wenn es nicht so traurig wäre, müsste ich lachen, wenn Menschen sich über Verkehrslärm beklagen (Autos, Frachtflugzeuge) ohne den Zusammenhang mit dem eigenen Konsumverhalten zu sehen.
    LG, Ingrid

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