Gebrauchtes kaufen

Letztes Jahr setzte die UNO den Weltumwelttag unter dem Motto „Sieben Milliarden Träume. Ein Planet – Konsumieren mit Vorsicht!“. Wir Menschen verbrauchen deutlich mehr Natur und Energie für unseren Konsum als die Erde nachhaltig bereit stellt.

Oft kaufen wir etwas ohne uns über die Folgen für die Natur Gedanken zu machen. Dabei hat jedes Produkt ein vielfaches seines Volumens an Natur zerstört. Beginnend bei der Gewinnung der Rohstoffen über die eigentliche Produktion, den Transport zu uns bis hin zu seiner Entsorgung. Nichts geht an der Erde spurlos vorüber.

Die Kosten für die Umweltzerstörung werden fast immer an die Allgemeinheit und die Natur übertragen. Auch wenn in Deutschland die Produzenten einige Auflagen haben gilt das noch lange nicht für Rohstoffe, Bauteile oder fertige Produkte aus dem Ausland. Mit kapitalistischer Logik sind Produkte mit dem größten Schaden für die Erde deshalb häufig die billigsten und demnach auch die Top-Seller.

Der wahre Preis von Produkten setzt sich immer aus zwei Bestandteilen zusammen: Dem Kaufpreis, den wir im Laden bezahlen. Und den unsichtbaren Umweltkosten – diese werden von der Allgemeinheit und der Natur bezahlt.

Beispielsweise ein neues Smartphone: Für dieses werden massenweise Erze und seltene Erden abgebaut – oft unter zweifelhaften Umständen und mit großen Schäden für die Natur. Den unsichtbaren Preisbestandteil bezahlen Menschen in den Erzmienen und Fabriken in der sogenannten Dritten Welt durch Gesundheitsschäden und soziale Ausbeutung. Tiere bezahlen mit dem Verlust ihrer Lebensräumen. Und sogar wir westlichen Konsumenten bezahlen mehr als den Kaufpreis. Denn Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung kennt keine Grenzen.

Die Produktion der einzelnen Bausteine ist energieintensiv und setzt viele giftige Stoffe frei. Nicht zuletzt verbraucht in unserer globalisierten Wirtschaft der Transport dieser Bausteine von einer Produktionsstätte zur anderen einmal rund um den Globus viel Treibstoff. Das setzt Kohlendioxid frei und schädigt nachhaltig unser Klima.

Aber muss es denn wirklich immer ein neuwertiges Produkt sein? Diese Frage habe ich mir vor einiger Zeit beantwortet: Nein!

Jetzt versuche ich Dinge so lange zu gebrauchen bis es wirklich nicht mehr geht. Und mit dem Wissen um die unsichtbaren Umweltkosten lohnt sich Reparieren auch dann, wenn zum gleichen Preis etwas Neues angeschafft werden könnte. Neben spezialisierten Werkstätten sind die in vielen Städten angebotenen Reparaturcafés eine gute Adresse.

Wenn ich heute wirklich etwas kaufen möchte suche ich zuerst Gebrauchtes. Auch hier gilt – es lohnt sich selbst dann, wenn der Preis inklusive Versandkosten den eines neuwertigen Produktes erreicht. Die gesparten Umweltkosten sind es wert:

  • Bücher müssen meiner Meinung nach nie neuwertig sein. Hier gehe ich zuerst zu booklocker.de. Werde ich dort nicht fündig kaufe ich gebrauchte Bücher bei Amazon (auch wenn ich Amazon wegen seiner sozialen Ausbeutung ansonsten zu meide).
  • Für Kinderkleidung gibt es ausreichend gute getragene Klamotten. In Second Hand Läden, auf Ebay oder Flohmärkten werde ich immer fündig.
  • Bei Elektrogeräten, vom Wasserkocher über den Küchenquirl bis zur Waschmaschine reicht immer ein älteres Modell.
  • Sonstige Güter ersteigere ich mir bei Ebay. Und wenn ich dort nicht fündig werde schaue ich nach Gebrauchtem auch mal bei Amazon – bisher habe ich leider kaum gute Alternativen gefunden…

So kamen in den letzten Monaten gebrauchte Bücher, Kindersitzerhöhung, Telefon, Kinderkleider und Rollerblades ins Haus. Umgekehrt möchte ich von mir nicht mehr Gebrauchtes entweder Spenden oder bei Ebay verkaufen.

Am besten ist aber wenn ich dem Kauf-Impuls widerstehen kann. Möchte ich etwas haben dann schlafe ich mindestens eine Nacht darüber, das hat schon oft geholfen. Gute Ideen gegen Impulskäufe findet ihr auch auf Minimalismus-Blog von Minimalistenfreun.de. Damit lässt sich das Kaufen von neuwertigen Produkten oft vermeiden.

Was tun?

  • Nutzt Produkte so lange es geht und lasst sie Reparieren anstatt durch neue zu ersetzen – auch wenn die Reparaturkosten so hoch wie der Preis eines neuen Produkts wäre!
  • Widersteht Impulskäufen. Schlaft immer mindestens eine Nacht darüber bevor ihr etwas kauft.
  • Wenn Kaufen, dann sucht zuerst nach Gebrauchtem.

Es ist mir eine Ehre, dass ich von Maria Widerstand zur Blogparade EiNaB eingeladen wurde, bei der ich natürlich gerne mit mache. Ihr findet sie hier: einfachnachhaltigbesserleben.blogspot.de.

Schaut auch hier: Tag der Erdüberlastung 2015 | Ökologischer Fußabdruck.

Advertisements

12 Gedanken zu „Gebrauchtes kaufen

  1. widerstandistzweckmaessig

    Hallo Martin!

    Kennst Du eigentlich unsere Linkparty EiNaB? Seit kurzem läuft sie auf einem eigenen Blog

    https://einfachnachhaltigbesserleben.blogspot.de/

    Dein Beitrag würde super dazu passen, hättest Du Lust ihn zu verlinken? Ein so wichtiges Thema meiner Meinung nach.

    Ein Aspekt, den ich noch ergänzen möchte ist der Verpackungsmüll. Wenn ich gebraucht kaufe, kann ich auch deutlich Verpackungsmüll reduzieren gegenüber dem Neukauf!

    lg
    Maria

    Gefällt mir

    Antwort
    1. Martin Autor

      Hallo Maria – den ganzen gesparten Verpackungsmüll habe ich ganz vergessen! Stimmt, da spart man auch einiges. Das werde ich im Beitrag ergänzen. Und vielen Dank für den Hinweis auf die Linzparty, den Beitrag verlinke ich gerne.

      Liebe Grüße,
      Martin

      Gefällt 1 Person

      Antwort
  2. kunstkopf

    Endlich haben wir auch in Solingen ein Reparaturcafé! Reparieren statt wegwerfen heisst es dort. Immer öfter bin ich auch im SOKA, dem Sozialkaufhaus unserer Stadt – erst mal hier schauen. Übriges landet auch dort.

    Gefällt mir

    Antwort
  3. zauberweib

    Kann dir nur zustimmen. Gekauft wird nur, was wirklich nötig ist. Solange ein Ding noch die Dienste tut, die es tun soll, wirds auch genutzt. Je länger, je lieber 🙂 Manches lässt sich sogar heutzutage noch relativ einfach reparieren und wenn es um richtige Neu-Anschaffungen geht, mag ich den Tipp mit dem „erst noch mal drüber schlafen“ dick und fett unterstreichen. 80 % haben sich dann erledigt. Mindestens:)

    Wenns mal wirklich unumgänglich ist: Immer erst genau überlegen, welche Anforderungen man an das neu zu erwerbende Ding stellt. Und sich gründlich über das Angebot informieren.

    Gefällt mir

    Antwort
  4. Pingback: Achtsames Wegwerfen | Hundertsand

  5. Pingback: Der Welt Zeit gewinnen – Klimakompensation | Hundertsand

  6. Pingback: Bio-Sojamilch mit dem Thermomix | Hundert mal Vegan

  7. Pingback: Lederschuhe ohne Leder. Tierleidfrei. | Hundertsand

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s