Der Welt Zeit gewinnen – Klimakompensation

Dem Klima unserer Erde geht es nicht besonders gut. Der CO2-Gehalt steigt seit der Industrialisierung bedenklich an. Die Folgen sind deutlich sichtbar – und ich mache fleißig mit.

Denn schädliche Klimagase blase ich bei jeder Autofahrt in die Umwelt. Der Konsum jeder neuen Ware hat durch ihre Produktion eine stinkende Giftwolke verursacht. Ganz zu schweigen von Flugreisen, die so starke Auswirkungen haben dass ich dieses Verkehrsmittel aus meinem Repertoire gestrichen habe. Und nicht zu vergessen die Viehwirtschaft (darüber habe ich in einem älteren Artikel geschrieben).

Allerdings möchte ich nicht alles aus meinem Leben streichen um Klimaneutral zu werden. Natürlich ist nicht jede Autofahrt absolut notwendig. Aber einige kann ich verdammt gut begründen, auch wenn mein schlechtes Umweltgewissen mit fährt.

Und so hat eben dieses schlechte Umweltgewissen mich dazu gebracht, mich mit dem Thema „Ausgleich von Klimaverschmutzung“ auseinander zu setzen. Fachleute nennen das „Freiwillige Kompensation“. Über acht Prozent der Deutschen haben sich damit auch schon beschäftigt und mindestens einmal ihre Emissionen durch Klimaschutzprojekte „abgegolten“. Flugreisende können das beispielsweise direkt beim Reiseanbieter oder der Fluggesellschaften machen.

Moderner Ablasshandel – Freiwillige Kompensation

Dieses „Abgelten“ funktioniert ähnlich dem Ablasshandel im Mittelalter: Geld bezahlen, Klimasünden getilgt. In unserer modernen Zeit ist es nicht die Kirche, sondern es sind auf  Klimakompensation spezialisierte Organisationen. Den Beichtstuhl ersetzen sie durch  Online-Rechner, mit denen sie die Anzahl von zu kaufenden Klimazertifikaten berechnen. Je nach Organisation kostet so ein Zertifikat zwischen 10  bis 60 Euro pro Tonne CO2-Äquivalent.

Diese Organisationen bieten typischerweise drei Möglichkeiten, was mit meinem Geld passieren soll:

Renaturierung: Es werden Bäume angepflanzt oder trocken gelegte Moore wieder vernässt. Beide sind tolle CO2-Senken. Das bedeutet, sie lagern die durch mich in die Umwelt gebrachte Menge an Kohlendioxid ein. Diese Renaturierung ist nicht nur toll fürs Klima, sondern es freuen sich viele Tiere über ihren zurück gewonnenen Lebensraum.

Projekte zur Klimaverbesserung: Mein Geld fließt in Projekte, die Klimagase einsparen. Beispielsweise werden damit in Ländern wie Afrika oder China Windkraftanlagen gebaut. Dadurch haben die Menschen dort sauberen Strom und brauchen für ihren steigenden Bedarf nicht noch mehr Kohle oder Diesel verfeuern. Dem Weltklima ist es egal, ob eine in Deutschland begangene Umweltsünde in China ausgeglichen wird. Somit sind die meisten Angebote zum Ausgleichen auch sehr International.

Zertifikate „verteuern“: Es werden Verschmutzungsrechte der Industrie aufgekauft und vernichtetEs gibt nämlich eine unfreiwillige Kompensation in 39 der 194 Ländern der Welt. Dort bestimmen Gesetzte, dass industrielle Klimasünder ihre Luftverschmutzung durch Klimazertifikate wieder ausgleichen müssen. Wenn nun solche Zertifikate gekauft und vernichtet werden, können diese nicht mehr für neue Luftverschmutzungen herhalten. Die verbleibenden Zertifikate werden nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage teurer.

Kritik.

Wurden die Sünden im Mittelalter wirklich getilgt? Und wie verhält es sich mit unsere heutigen Klimasünden? Wer profitiert eigentlich davon?

Nachhaltig ist eine Klimakompensation nur, wenn die Sünden für immer ausgeglichen werden. Und das sind sie definitiv nicht!

Denn Bäume werden irgendwann wieder abgeholzt. Oder verbrennen im trockenen Sommer. Wenn nicht in zehn Jahren, dann vielleicht in hundert. Zumal es sowieso nicht genug Waldfläche gibt, um die Klimasünden der Menschheit auszugleichen. Moore werden wieder trocken gelegt, wenn die Fläche gebraucht wird. Hat die Industrie keine Klimazertifikate mehr oder wird es ihr zu teuer („Wettbewerbsnachteil“), dann werden unsere Politiker der Industrie neue Zertifikate drucken lassen. Oder den Ablasshandel aussetzen.

Es ist egal, wann meine Klimasünden wieder frei gesetzt werden. Selbst wenn es nur in hundert Jahren wäre – Angesichts des Alters der Erde nur ein Augenzwinkern später. Aus Sicht der nächsten Generationen reine Augenwischerei.

Es ist auch klar, dass nicht alles Klimageld beim Klima ankommt. Denn verdienen möchten am Ablasshandel viele. Wie die Erdöl-Gesellschaft, die mir den sündige Sprit beschafft. Die Mitarbeiter einer Ablass-Organisation wie AtmosFair oder Prima-Klima. Die wollen natürlich auch leben. Und am Ende die Menschen, welche sich an einem Aufforstungsprojekt beteiligen. Verdient hat wohl auch derjenige welcher früher die Bäume abgeholzt hat, die ich jetzt wieder anpflanzen lasse. Nicht zu vergessen der Staat, der sowohl bei den abgeholzten Bäumen, beim Sprit als auch bei der Wiederaufforstung seine Steuern kassiert.

Allein Nachhaltig ist der Bewusstseinswandel!

Nachhaltig ist ausschließlich ein Bewusstseinswandel zu einem achtsamen Lebensstil. Nur wenn wir Menschen es schaffen, freundlich und achtsam mit der Erde umzugehen, werden wir es schaffen, das Weltklima und damit die Lebensgrundlage von uns und allen anderen Lebewesen auf diesem Planeten nicht weiter zu schädigen.

Bis dahin ist es ein weiter Weg.

Der viel Zeit benötigt. Während dessen kann die freiwillige Kompensation das akute Klimaleiden des Planeten milden. Und sie schafft bei allen ein im Geldbeutel spürbares Gefühl für ihre persönliche Auswirkungen auf das Klima. In unserer kapitalistischen Gesellschaft nicht zu vernachlässigen.

Ich persönlich möchte nicht bei einer der Kompensations-Organisationen Zertifikate kaufen. Lieber spende ich mein Geld an vertrauenswürdigen Non-Profit-Organisationen, die sich diesem Bewusstseinswandel verschrieben haben. Das sind für mich Organisationen aus dem Bereich Umweltschutz, Achtsamkeit und Nachhaltigkeit.

Und arbeite weiter an meinem persönlichen achtsameren Lebensstil…

Was tun?

Advertisements

9 Gedanken zu „Der Welt Zeit gewinnen – Klimakompensation

  1. widerstandistzweckmaessig

    Hallo Martin!

    Ich glaube das Thema ist auch deshalb so schwierig, weil es dazu verleitet, einfach so weiter zu machen wie bisher, weil „man ja eh was tut“. Aber so ist es leider dann doch nicht.

    Deinen Vergleich mit dem Ablasshandel aus dem Mittelalter finde ich super!

    lg
    Maria

    Gefällt mir

    Antwort
  2. Stefanie

    Hallo Martin,
    Danke für deinen tollen Beitrag, habe über Einab hierher gefunden!
    Diese freiwilligen Kompensationen sind oft nur persönliches Greenwashing, insbesondere wenn man locker flockig weiter einen verschwenderischen Lebensstil pflegt. Du hast das richtig schön auf den Punkt gebracht!
    Liebe Grüße
    Stefanie

    Gefällt mir

    Antwort
    1. Martin Autor

      Hallo Stefanie – ich stimme dir zu, „ich fliege Klimaneutral“ ist Selbstbetrug, wenn man damit sich das Recht erkauft, die Umwelt weiter schädigen zu dürfen. Gleichzeitig finde ich ist es besser als nichts, quasi „Schmalspur-Umweltschutz“ für Menschen, die vom Bewusstsein noch nicht so weit sind, sich mit Nachhaltigkeit auseinander zu setzen.
      Liebe Grüße
      Martin

      Gefällt mir

      Antwort
  3. Pingback: Das Flugzeug mal am Boden lassen… | Hundertsand

  4. Pingback: Die Welt ist friedlicher – ohne Fernsehen! | Hundertsand

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s