Darwins Alptraum – Frischer Fisch aus Afrika

Ich habe gerade die Doku „Darwin’s Nightmare“ (Darwins Alptraum) gesehen. Ein wirklich erschütternder Film von Hubert Sauper. Über die Verlierer des Kapitalismus in Afrika.

Der mit 2 Metern Länge riesige Victoriabarsch (Nilbarsch) wurde 1960 in den Victoriasee als „Experiment“ ausgesetzt. Im Ergebnis wurden die meisten der vormaligen Fischarten von dem gefräßigen Neuankömmling verdrängt. Der Victoriasee steht heute vor dem Umkippen. Der bis zu 200kg schwere Raubfisch ist allerdings so lecker, dass ihn unsere Nahrungsmittel-Industrie als Wachstumsmarkt entdeckt hat. Und so fischen die Einheimischen nicht mehr für die eigenen Bäuche. Sondern für die von uns Europäern.

Lebensmitteln exportieren – Hilfsgütern importieren

Damit hat sich ein reger Flugverkehr zwischen Europa und Tansania eingestellt. Während Victoriabarsche per Flieger unter hohen Sozial- und Umweltkosten das Land verlassen, zieht in 2016 der Hunger wieder in Afrika ein. Das ist die direkte Folge des Klimawandels. Jetzt wäre der Fisch eine wichtige Eiweißquelle für die hungernden Menschen dort – wenn sie es sich denn leisten könnten. Können sie aber nicht.

Ist das nicht pervers? Die Fischer holen für uns Europäer täglich tausende Barsche gegen Hungerlöhne aus dem Wasser im Auftrag der großen Fischfabriken. Und die Bevölkerung wird von der UNO mit Lebensmitteln vor dem Verhungern bewahrt, die Menschen welche an den Ufern des Sees leben gehen in die Abhängigkeit, verarmen und verwahrlosen.

Das dazu Hubert Sauber:

Es ist [..] unglaublich aber wahr, dass, wo immer in einer relativ armen Gegend ein wertvoller Rohstoff entdeckt wird, die Menschen im Umfeld des neuen Reichtums elendig zugrunde gehen. Ihre Söhne werden zu Wächtern und Soldaten, ihre Töchter zu Dienerinnen und Huren. Es macht mich krank, diese sich wiederholende Geschichte immer wieder zu hören und zu sehen. (Hubert Sauper)

Sollten wir daran nicht etwas ändern, so dass die Afrikaner den Victoriabarsch selbst essen könnten, statt ihn nach Europa zu exportieren? Aber halt, da ist ja noch der Kapitalismus. Einige Europäer und wenige Afrikaner verdienen zu gut an dem Business. Deshalb darf das nicht sein. Also lieber Hungerprogramm der UNO starten. Und die Fischindustrie mit europäischen Förderprogrammen unterstützen. Es ist zum k… (sorry).

Verdient wird massiv. Denn ein Kilo Victoriabarsch verkauft sich auf dem Hamburger Fischmarkt für bis zu 25 Euro. Die Profiteure von dem Business sind die Mächtigen in Tansania, die Fabrikbesitzer, die Zulieferer und Transportunternehmen und unsere Lebensmittelindustrie. All diese verhindern, dass sich an den Zuständen etwas ändert: Kaum war Darwin’s Nightmare bekannt, wurden Menschen, welche den Film in Tansania unterstützt hatten, verfolgt und inhaftiert. Die Industrie leugnet einfach die Wahrheit des Films, so wie die „Deutsche See“ auf ihrer Webseite mit traumhaft schönen Bildern von Fischern auf dem See .

Hunger und Ungleichheit sind Nährboden für Gewalt. Davon gibt es in Afrika genug. Angeheizt wird das noch durch unsere Rüstungsexporte. Im Film wies einer der Piloten darauf hin, dass die Flugzeuge nicht wirklich Leer nach Tansania kommen würden. Sondern mit Waffen und Munition beladen seien. Deutschland ist übrigens der viertgrößte Rüstungsexporteur der Welt.

Aus ökologischer Sicht ist der Victoriasee laut einem taz-Bericht inzwischen so kaputt, dass der Fischbestand ständig abnimmt: „Das Wasser ist trüb von Algen. Es stinkt bestialisch, ist voller Parasiten, die Oberfläche von Hyazinthen bedeckt: Wie krank der ostafrikanische Victoriasee ist, sieht man auf den ersten Blick“. Als Reaktion darauf möchte die EU mit Hochtechnologie den See retten. Das ist Symptomatisch für unsere Gesellschaft – wir behandeln die Symptome, nicht die Ursachen. Auch wenn es inzwischen Nachhaltigkeits-Bestrebungen gibt – diese halte ich für Greenwashing. Es ist höchstens nachhaltige Ausbeutung.

Und so erzeugen wir durch unser „Business“ die Welle der Gewalt in Afrika – und die nächste Flüchtlingskrise. Alles Hausgemacht.

Wann endlich begreifen wir, dass Afrika kein Kontinent zum Ausplündern ist? Dass wir alle ein Teil dieser einen Erde sind?

Den Film gibt es bei Buch7Ecobookstore oder Amazon.

Was tun?

  • „Regionale Nahrungsmittel essen“ gilt auch für Fisch. Wenn Fisch, dann aus europäischen Gewässern. Und nicht aus Afrika.

Weitere Links:

 

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2 Gedanken zu „Darwins Alptraum – Frischer Fisch aus Afrika

  1. Martin Autor

    Leider ist dieser Wahnsinn kein Einzelfall. Es wäre schön, wenn die Menschen in den Unternehmen sich wirklich fragen würden, ob es neben dem eigenen Profit auch gut für alle Menschen ist. Einer der Piloten im Film sagte unter Tränen, er wünsche sich, dass alle Kinder auf der Erde glücklich sind. Aber er müsse diese Fisch- & Waffen-Transporte machen um seine eigenen Kinder in Russland zu versorgen. So viel „ich kann nicht anders“ und „ich muss“. Statt „ich entscheide ich frei dafür…“. Wir in Europa sehen das alles nicht. Sondern eher die schönen Bilder wie die auf der Webseite von der Deutschen See. Wir alle haben die Freiheit, uns für das dem Leben förderliche zu entscheiden. Oder halt eben nicht.

    Liebe Grüße,
    Martin

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