Seife und ihre Auswirkung auf die Umwelt

Etwa sieben mal pro Tag waschen wir uns die Hände. In meinem Leben werde ich das noch über 100.000 mal machen. Hier mal hinzuschauen kann sich für die Umwelt lohnen…

Handwaschmittel verdrängen Seifen

Als Kind habe ich die Hände mit Wasser und einem Seifenstück gewaschen. Heute ist in meinem Badezimmer wie in vielen anderen die klassische Stückseife durch einen Spender mit Flüssigseife ersetzt. Das ist einfach bequemer und schicker. Gedanken habe ich mir darüber nie gemacht.

Die klassische Seife wird seit Jahrhunderten aus pflanzlichen oder tierischen Fetten, Lauge und Düften hergestellt – ein sehr einfaches Produkt. Flüssigseife hat mit ihren gänzlich anderen Inhaltsstoffen damit nichts mehr gemein. Sie ist keine flüssige Seife, sondern mehr dem Geschirrspülmittel verwandt und sollte korrekterweise Handwaschmittel genannt werden.

Handwaschmittel aus schicken Spender sehen immer gut aus. Lassen sich einfach nachfüllen. Haben keine verschmierte Oberfläche wie durchnässte Seifenstücke. Und die Industrie freut sich über ein zig-faches an Gewinn im Vergleich zur Stückseife.

Für die einen ein Markt mit hohen Gewinnspannen – für unsere Umwelt leider eine große Belastung.

Verpackungsmüll

Flüssigseifen in Einmal-Spenderflaschen aus dem Supermarkt erzeugen unheimlich viel sinnlosen Plastikmüll. Da spart es schon viel Plastik, wenn man nur Nachfüllpacks kauft. Aber nicht nur die Verpackung, auch in einigen Flüssigseifen selbst ist Mikroplastik enthalten, damit sie schön cremig und glänzend aussehen. Dieses flutscht durch die Klärwerke durch, wandert weiter in die Nahrungskette und irgendwann essen wir plastinierte Fische. Lecker.

Stückseifen dagegen kommen ohne Mikroplastik meistens im Papier verpackt daher. Von „ganz wenig“ bis null Plastik.

Belastung durch Transport

Zum größten Teil bestehen Flüssigseifen aus Wasser. Das daraus resultierende Gewicht und Verpackungsmaß bringt im Vergleich zur klassischen Stückseife deutlich höhere Umwelt-Belastungen beim Transport mit sich.

Inhaltsstoffe

Die Inhaltsstoffe von Stückseife mit Bio-Standard können gut abgebaut werden. Veganer sollten darauf achten, dass ihre Seifen nur pflanzliche Fette enthalten.

Einige industrielle Hersteller verwenden bedenkliche Stoffe. So findet sich beispielsweise bei den Produkten von DOVE die Chemikalien EDTA und Tetrasodium Etidronate. Beide sind eine große Belastung für die Umwelt.

Nicht ganz so aufgeräumt wie bei Bio-Stückseifen sieht die Inhaltsliste bei vielen Flüssigseifen aus. Viele der dort aufgeführten Chemikalien haben keinen praktischen Nutzen für die Sauberkeit: Konservierungsstoffe, Duftstoffe, Farbstoffe. Und Stoffe, damit die Seife schön schäumt. Viele verbinden Schaum mit „sauber“. Dabei hat Schaum keinerlei reinigende Wirkung.

Neben EDTA, welches sich leider auch in vielen Flüssigseifen wiederfindet, verwenden einige Diethanolamine (DEA) um den pH-Wert einzustellen. DEA gilt als krebserregend und fischgiftig.

Verträglichkeit

Seifen binden nicht nur das Schmutz-Fett, sondern entfernen auch einen Teil des natürlichen Fettfilms der Haut. Das kann zur Austrocknung führen. Schutz davor und ein besseres Hautgefühl bieten Seifen mit hohem Glyceringehalt. „Rückfettende“ Seifen basieren darauf, dass ein Teil der Seife durch Fette bereits gebunden ist, weshalb sie sich milder anfühlen, tatsächlich aber weniger reinigen.

Allergiker freuen sich über Olivenölseifen, da Seife aus natürlichen Fetten von den meisten Menschen vertragen werden. Synthetische Tenside in industriellen Flüssigseifen können dagegen als Allergen wirken.

Einige Seifen („Arztseifen“) sind angeblich antibakteriell. Die FDA in Amerika ist der Meinung, dass die dazu verwendete Chemikalie zu Gesundheitsprobleme führen. Also: Lieber Hände weg von Seifen oder Handwaschmitteln mit antibakterieller Wirkung.

Seife als Bakterienschleuder?

Ein hartnäckiges Vorurteil gegen Stückseife sind die Bakterien, die dort vom Vorbesitzer auf der Seifenoberfläche schlummern und durch mich beim Einseifen an meine Hände kommen. Eine eklige Vorstellung. Was viele vergessen: Die Seifenoberfläche ist alkalisch – für Bakterien und Keime mehr als ungemütlich. Noch ungemütlicher wird es für Bakterien, wenn die Seife trocken wird. Deshalb sollten Seifenschalen so beschaffen sein, dass Wasser abläuft. Dann werden die Seifenstücke auch nicht schmierig.

Und selbst falls ich Mikroorganismen beim Berühren der Seife auf meine Hände bekommen sollte – diese „fremden“ Keime werden mit dem Wasser genauso wieder abgespült wie meine „eigenen“. Denn darin besteht eben die Wirkung von Seife: Mikroorganismen von der Haut zu lösen, damit sie vom Wasser weg gespült werden können. Das es hier kein Hygiene-Problem gibt bestätigt auch das Institut für Hygiene der Universität Graz.

Das gleiche gilt übrigens auch für den Pumpspender bei Flüssigseifen. Auch dieser wird von vielen dreckigen angefasst. Und auch diese Bakterien werden wieder abgewaschen.

Fazit

Ich habe vor einiger Zeit auf der Toilette von Pumpspender auf Stückseife umgestellt. Und sobald der Seifenspender im Bad leer ist, wird auch er durch ein Seifenstück ersetzt.

Dann verursacht mein Händewaschen je nach Seifenhersteller null Plastikmüll. Spült keine giftigen Chemikalien und Mikroplastik in die Gewässer. Meine Seife wird dann nur Inhaltsstoffe haben, die sich biologisch abbauen lassen. Und die bei der Produktion nur geringe Belastungen für die Umwelt bedeutet. Ein kleiner Schritt, aber große Wirkung bei noch 100.000 mal Händewaschen.

Was tun?

  • Sollen es Flüssigseifen sein, dann nur Produkte zu denen es Nachfüllbeutel gibt.
  • Keine Produkte mit „Antibakterieller Wirkung“, EDTA und DEA nutzen. Diese Stoffe schaden dem Körper und der Umwelt.
  • Flüssigseife ersetzen durch eine gute Stückseife auf rein pflanzlicher Basis. Dabei darauf achten, dass die Seifenschale Löcher hat, damit das Wasser ablaufen kann.
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10 Gedanken zu „Seife und ihre Auswirkung auf die Umwelt

  1. Bettina

    Wir benutzen seit einiger Zeit außer „Hand- und Körper-Wasch-Seife“ auch Haarseife. Anfangs schien es etwas unhandlich, mit dem Seifenstück am Kopf rum zu hantieren, aber das gab sich rasch. Als „Seifenschale“ habe ich aus Baumwollgarn „Seifenuntersetzer“ gehäkelt mit reichlich Lochmuster, darauf kann die Seife gut abtrocknen, zum Transportieren (z.B. im Campingurlaub mit Zelt und Rad) habe ich Miniwaschlappen aus altem Jerseybetttuch genäht, das ging ganz gut.
    VG, bettina

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  2. Martin Autor

    Hallo Bettina – danke für Deinen Kommentar. Hast Du eine spezielle Seife verwendet? Und: Für die Hand- und Körper-Wasch-Seife bin ich auf der Suche nach einer schlichten und kleinen Seifenschale. Die in den Läden finde ich alle zu klobig, teilweise haben die auch keine Löcher für das Wasser. Hast Du mir einen Tipp? LG, Martin

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  5. Wolfgang

    Vielen Dank für den guten Arikel! Als Konsumenten sind wir letztlich nur in der Lage, uns bewusst zu entscheiden, wenn wir wissen, wie Sachen funktionieren, welchen Nutzen, bzw. welche Risiken sie haben. Leider wird uns dieses „Wissen wollen“ von den vielen, teils unnötigen Produkten der Industrie aberzogen – gepaart mit dem reflexartigen „Haben wollen“ – und unterstützt von unserer eigenen Bequemlichkeit. Seit ich mich nur noch mit kaltgerührter und überfetteter Pflanzenölseife wasche, habe ich übrigens keine trockenen Hände mehr. Die entsprechende Creme kann ich mir, vor allem im Winter jetzt auch sparen. Mit überflüssig gewordenem Duschgel kann man übrigens – falls man es nicht mehr aufbrauchen mag – prima das Bad putzen. Besser als als mancher Badreiniger.

    Grüße
    Wolfgang

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  6. majorneryz

    Ich hab auch schon vor langer Zeit auf die „echte“ Seife umgestellt. Meine Lieblingsseife ist/war die wunderbare Alepposeife 😦 aber was heute dort los ist in Aleppo, wisst Ihr ja 😦
    Savon de Marseille – rein pflanzlich – ist aber auch sehr gut, und man findet im Bioladen ja auch viele tolle Pflanzenseifen. Großer Vorteil dabei: man kriegt die echte Seife ganz fix abgewaschen, während das Duschgel wie Hölle auf der Haut „klebt“ und einfach nicht abgeht. Mit der Seife spart man also nicht nur Zeit, sondern auch Wasser 🙂 So ein Seifenstück ist ein echtes Minimalismus-Requisit! Gibts auch als Haarseife, ich liebe z.B. die von Lush (zwar nicht Bio, aber für meine Haare ein Traum). Und es gibt ja auch viele andere Marken.

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    1. Martin Autor

      Stimmt, es gibt wirklich Stückseifen, sogar „Made in Germany“. Ich habe mich bisher auf meine schwarze „All-You-Can-Wash“-Seife vers(t)eift, wirklich sehr minimalistisch. Allerdings experimentiere ich mit alternativen, da die schwarze Seife aus Nigeria kommt, was nicht soo ökologisch ist…

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      1. Wolfgang

        Schau‘ doch einfach mal auf Märkten oder suche im Internet nach „handgemachte seifen“ oder „naturseife“. Es gibt in Deutschland viele kleine Hersteller, die auch verschicken. Achte einfach darauf, dass kein Palmöl drin ist, dafür wird der Regenwald abgeholzt, auch für Bio-Plantagen – insofern gibt’s kein nachhaltiges Palmöl, auch wenn das oft behauptet wird. Und schaue, dass keine sythetischen Duft- und Farbstoffe reingerührt werden. Das machen viele, auch kleine Produzenten, einfach, weil es billiger ist. Mehr Infos findest Du hier:
        http://heiligkreuzer-seife.ch/download/Heiligkreuzer_Seife.pdf

        Viele Grüße
        Wolfgang

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